Der Ring ist alles mögliche!

Schön sein ist nicht alles.


Der Ring ist ein interessantes Schmuckstück, denn er ist beleibe nicht nur ein Ding, um zu schmücken. In weit größerem Maße dient er allen möglichen Funktionen, die der Mensch sich nur ausdenken konnte. Natürlich, wer sich Ringe anschaut und sich schließlich entscheidet, wird das vor allem nach ästhetischen Kriterien tun. Aber selbst diese sind so oft weniger ästhetisch motiviert, als man selber meint. Und warum gerade der Ring? Die Antwort ist offensichtlich: Kein anderes Schmuckstück ist bei jeder Witterung und Bekleidung so sichtbar wie der Fingerring und sitzt vorn am tätigsten, mächtigsten Werkzeug des Menschen, seiner Hand. 

Ein Ring kann wertvoll sein.

 

Eine recht praktische Funktion, gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit, ist der Werterhalt. Ein hochkarätiger Gold- oder Diamantring erhält auch in Zeiten hoher Inflation seinen Wert und ist auch bei einem Konkurs der Banken schnell "zur Hand". Jüngst haben wieder ein paar Wissenschaftler einen baldigen Zusammenbruch der Weltwirtschaft prophezeit. Vielleicht sollte man doch ...

Ein Ring, sie zu binden.

 

Byzantinischer Ehering

Das am weitesten verbreitete Motiv zum Ringkauf ist immer noch die soziale Verbindung. Ehe- und Verlobungsringe gehören zu den meistgesuchten Schmuckstücken. Eine besondere Verbindung zwischen mindestens zwei Menschen symbolisieren Freundschaftsringe. Jedenfalls verkünden das Schmuckverkäufer im Netz. Natürlich seien solche Ringe vom Wert und Preis her niedriger anzusetzen als Eheringe, offenbar einem geringeren Wert von Freundschaft entsprechend. Wen kribbelt an dieser Stelle nicht die Idee, das Verkaufsargument einmal umzudrehen? (Bild: Byzantinischer Ehering)

Das Statussymbol


Gleich nach dem Schmücken müsste eigentlich der Status stehen, denn das scheint von Beginn der Geschichte des Rings an eine dominierende Funktion gewesen zu sein. Bereits die frühesten Funde von Ringe in Europa - im späten Neolithikum - deuten auf eine repräsentative Rolle hin. Jedenfalls wurde in Fürstengräbern der Zeit neben Waffen vor allem Schmuck aus Kupfer gefunden, darunter Ringe. Natürlich ging es hier auch um Macht.


Status ist auch in der Gegenwart ein starkes Phänomen, das für Viele überhaupt erst der Antrieb für ihr tägliches Tun ist. Haus, Auto, Swimmingpool. Der Schmuck ist notwendiger Teil des Selbstbildes der Wohlhabenden, zu dem Goldringe, Perlenketten und teure Steine gehören. Man liest mittlerweile, die Reichen würden ihren Status heute anders zeigen als mit teurem Schmuck. Sicher?

Der Ring der Macht


Als im 11. Jahrhundert der Kaiser und Papst Gregor VII. im berühmten Investiturstreit miteinander kämpften, ging es unter anderem darum, wer die Bischöfe mit Stab und Ring in ihr Amt einführen dürfe, ein weltlicher Herrscher oder ein Erzbischof. Der Papst gewann den Streit. Wir kennen das Motiv noch aus der Trilogie "Der Herr der Ringe". Wer den Ring hat, hat die Macht.

 

Siegelring

Eine besondere Karriere machte der Siegelring, der seit der Antike Macht personalisiert. Der Abdruck des Siegels auf Ton oder Wachs garantierte die Urheberschaft des Siegelträgers. Dass in Zeiten des Email-Verkehrs Siegelringe immer noch gerne gekauft werden, liegt in manchem Fällen an der designerischen Qualität des Siegels, in anderen wohl daran, dass einige Ringträger sich selber quasi als Lord Siegelbewahrer vorstellen möchten. Einen speziellen Gebrauch macht der Comic-Held "Das Phantom" des amerikanischen Zeichner Lee Falk von seinem Siegelring. Im Kampf gegen das Böse schlägt der Held sein Siegel mit der Faust in das Gesicht seiner Gegner. Macht kann schmerzhaft sein. (Bild: Marc Baronnet)


Ein bischen Magie muss auch sein.

 

RosenkranzringDass Ringe auch auf spirituellem Gebiet bedeutungstragend sind, glaubt man spätestens, wenn man den Worten so mancher Schmuckverkäufer lauscht. So soll schon mal ein wertvoller Goldring seine spirituelle Energie auf den Träger übergehen lassen. Oder so. Immerhin gibt es in der christlichen Tradition den Rosenkranzring, der als Zählfolge bei Gebetsabfolgen genutzt wird.

Die Markierung einer Szene


Das runde Ding taugt aber auch zur Gruppenkennzeichnung. Der Hippie-Schmuck ist hier ein schönes Beispiel genauso wie die Gruftie- oder Biker-Szene. Ringe mit düsteren und machistischen Motiven gehören auf dem Markt seit Jahrzehnten zu beliebten Accessoires und sind außerdem noch preiswert. Wie beim Boho-Schmuck spielt der materielle Wert hier kaum eine Rolle. Derselbe Schmuck, dieselbe Denke, und alle fühlen sich geborgen.

Auch bei Gefahr zu gebrauchen.

 

Der Ring als Waffe

Sogar töten kann man mit einem Ring, meines Wissens allerdings lediglich mittels Gift, das man in dem berühmten Giftring versteckt hält, den man im richtigen Moment leert. Mit ein bischen Kreativität ist hier aber sicher noch die eine oder andere Innovation möglich. Vielleicht ein Pfefferspray-Ring, mit dem man Angreifer abwehren kann, ohne lange in der Handtasche nach der Dose zu suchen? Oder eine Strahlenwaffe? Comic-Held Green Lantern muss seinen magischen Ring lediglich an einer grünen Laterne aufladen, und hat sofort eine tolle Waffe parat. 

Der Alleskönner

 

Mittelalterlicher Schlüsselring

Die interessantesten Innovationen stecken auf dem Feld der Technik. Eher nicht dazu zählen würde ich Versuche wie den mittelalterlichen  Schlüsselring, der einen Schlüssel fest an das Schmuckstück bindet. Ein aktueller Ansatz sind Ringuhren, die die Zeitangabe auf den Finger schieben, statt das ganze Handgelenk zu belasten. Varianten als Schlaf- und Aktivitätstracker gibt es ebenfalls schon, und ein Ring mit Datenspeicher betritt den Markt sicher auch bald. Ob man irgendwann mit Ringen telefonieren und surfen kann? Ich würde fast darauf wetten.


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